Sonntag, 26. Februar 2012

Katholisch oder Alkoholisch?

"Das machen doch nur Alkoholiker", habe ich kürzlich als Reaktion darauf gehört, dass ich von Aschermittwoch bis Karsamstag keinen Alkohol trinke. Jetzt trinke ich zwar schon hin und wieder gern ein Glasl (zu viel), aber so weit ist es dann doch nicht. Und an die katholische Fastenzeit hänge ich mich ausschließlich deswegen an, weil es recht praktisch ist, einen klar definierten Zeitraum zu haben. (Jesus dürfte übrigens jeden Sonntag irgendwohin gefahren sein, um sich den Bauch vollzuschlagen, sonst geht sich das mit den 40 Tagen nicht aus...)

Warum mache ich das dann seit fünf Jahren?
Ich finde, dass es gut tut, in einer Welt, in der man ununterbrochen und sofort alles haben kann, was man will, hin und wieder bewußt auf Dinge zu verzichten. Die "Opfer", die wir in der westlichen Welt bringen können, sind natürlich nicht zu vergleichen mit dem, worauf Millarden Menschen auf der Welt täglich unfreiwillig verzichten müssen, aber es macht Sinn, sich für den bewussten Verzicht etwas auszusuchen, was man gerne und regelmäßig konsumiert.
Gerade beim Alkohol ist das eine umso größere Herausforderung, weil ein starker gesellschaftlicher Druck dahinterliegt, der uns oft selbst gar nicht so bewußt ist - gerade in Österreich. "Geh, nur EIN Glasl", "Aber heut ist doch ein besonderer Anlaß", "Das hättest dir jetzt aber verdient" sind nur ein paar der Kommentare, die ich zu hören bekomme. Es ist manchmal erstaunlich schwierig, zu erklären warum man trotz Abwesenheit von Schwangerschaft/Antibiotika/Auto nichts trinkt... Gleichzeitig kann man interessante Sozialstudien betreiben; gestern am Heimweg von den Bögen um halb drei hat sich mir die Theorie aufgedrängt, ob man eigentlich nur Alkohol trinkt, um die anderen Alkohol trinkenden Menschen ertragen zu können?
Und schlussendlich muss ich natürlich zugeben: ja, es hat einen Vorteil, an einem Sonntag früh aufwachen zu können, ohne dass das erste Wort, dass sich in den Kopf hämmert, ein "aua" ist ;)