Montag, 14. März 2011

Traurige Genugtuung

Quasi im Minutentakt korrigieren die Live-Ticker diverser Online-Medien seit Freitag nach oben: die Zahl der Toten, das Ausmaß der Zerstörungen, die Anzahl explodierter Atomreaktoren, die Höhe der Gefahr. "Surreal" sei es, meinte der ARD-Korrespondent in Tokio heute früh im Radio: "Da schaltet man in der Früh den Fernseher ein, und dann ist schon wieder ein Atomreaktor explodiert. Das konnte man sich doch gar nicht vorstellen, dass so etwas wirklich passieren kann."

Das Ausmaß der Katastrophe ist unermeßlich und noch nicht abzuschätzen. Aber wir haben etwas ähnliches schon erlebt, vor ziemlich genau 25 Jahren. Damals halt nicht in einem modernen Industriestaat, sondern hinter dem eisernen Vorhang, und nicht begleitet von einer minutiösen Medienberichterstattung. Man hat den Unfall von Three Mile Island im Gedächtnis, und die vielen kleinen Störfälle in den Meilern von Temelín und Mochovce, und nur diejenigen zu nennen, die Österreich am direktesten betroffen haben.

Und was tun wir? Die deutsche Kanzlerin erklärt, dass "unsere Kernkraftwerke nach Maßgabe dessen, was wir wissen, sicher" seien - sonst läge es ja in ihrer Verantwortung, sie abzuschalten. Ich nehme an, dass der japanische Premierminister auch nicht mutwillig unsichere Reaktoren laufen gelassen hat, um seiner Bevölkerung zu schaden.
Und in Österreich unterschreiben nur gerade 98.698 Personen das Volksbegehren "Raus aus Euratom". Offensichtlich war die Bedrohung nicht real genug. Bis Freitag...



Dieser Sticker prangte in meiner Volksschulzeit auf meiner Schulmappe. Da war die Bedrohung von Tschernobyl noch nah und spürbar. Nach Jahren des Vergessens und Verdrängens sind wir jetzt wieder brutal damit konfrontiert. Was bleibt, ist die traurige Genugtuung, recht gehabt zu haben, und die kleine Hoffnung, dass das die EntscheidungsträgerInnen dieser Welt auch endlich einsehen.