Wie das Flugzeug aus den Wolken herausgekommen und unter mir die Tower Bridge aufgetaucht ist, hab ich erst gemerkt, wie viel ich vermisst hab an dieser chaotischen Stadt. Die beiden Tage, die ich in London verbracht habe, hab ich dann auch hauptsächlich zum Auffrischen von Erinnerungen gebraucht (und zum beiläufigen Studieren von Immobilienmaklerschaufenstern, vielleicht geht sich das ja doch noch irgendwann einmal aus ;) ).
Am Sonntag abend habe ich die Stadt in Richtung Osten verlassen und mich nach Colchester begeben, angeblich die älteste urkundlich erwähnte Stadt Englands, praktisch eine (recht nette) typische Kleinstadt. Der Campus der University of Essex liegt ein paar Kilometer außerhalb der Stadt und erinnert mich sehr an die University of Stirling in Schottland, wo ich vor sechs Jahren ein Auslandssemester gemacht habe: Scheußliche, unfunktionale Gebäude aus den 60er Jahren völlig ohne Charme, aber auf einem Campusgelände, das seinesgleichen sucht: In der Mitte ein See, rundherum Wald und Felder und auf der abendlichen Joggingrunde ist man umgeben von Hasen, Gänsen, Schwänen, Füchsen und allem möglichen sonstigen Getier. Alles in allem eine sehr relaxte Atmosphäre.
Das Kursprogramm der Summer School wirkt perfekt aufgebaut und macht Lust auf mehr, ich kann das ehrlich auch allen empfehlen, die statistikmäßig bei null anfangen möchten. Anstrengend ist es allerdings: um acht Uhr früh gibt es anderthalb Stunden "Mathematics for Social Scientists" und danach dreieinhalb Stunden "Multilevel Modelling" (just don't ask). Es schlaucht, aber es ist sehr hilfreich, ich habe schon nach zwei Tagen das Gefühl, extrem viel gelernt zu haben.
Und seit heute weiß ich auch, was die Variation im klischeehaften English countryside Sommerwetter ist: Niesel-, Schnürl- oder strömender Regen...
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