Mittwoch, 4. November 2009

Sowimaxismus für AnfängerInnen und Fortgeschrittene

Ich gestehe: ich war zu Beginn gegen diese Besetzung. Ich habe Innsbruck so etwas nicht zugetraut. Ich habe geglaubt, dass hier nach einer durchfeierten Nacht alles wieder vorbei sein würde.

Ich habe mich eines Besseren belehren lassen.

Was sich in den letzten Tagen im SowiMax abgespielt hat, habe ich bisher noch nicht erlebt. Solidarität, Disziplin, Verantwortung, Demokratie, und noch viele "hehre" Eigenschaften mehr, alle diese werden in der besetzten Sowi-Aula in ihrer pinzipiellsten Form gelebt. Und über die Zeit konnte man an jedem und jeder BesetzerIn sehen, wie sehr diese Besetzung auch eine Schule für's Leben ist: ehemals schüchterne Burschen trauen sich, vor vollem Saal Wortmeldungen übers Mikrophon abzugeben, ein nach eigenen Angaben "unpolitisches" Mädel wird zur flammenden Verfechterin basisdemokratischer Grundsätze, und einige Leute, die vermutlich noch bei den Eltern wohnen, sehen sich plötzlich in der Lage, täglich für hunderte Menschen zu kochen.



Über den vorläufigen Forderungskatalog, der an jedem Besetzungstag weiter bearbeitet wird, kann man diskutieren. Aber zwei Dinge müssen klar sein:

1. Der Diskurs, den diese Besetzungen anstoßen, ist längst überfällig. In der Bildungspolitik herrscht dringender Handlungsbedarf, und es geht nicht nur ums Geld. Es geht darum, der Bildung wieder jenen Stellenwert einzuräumen, den sie verdient, und es den Universitäten zu ermöglichen, ihrer Rolle als Anstoßerin gesellschaftlicher Diskurse gerecht zu werden, anstatt ein Korsett zu sein für Lehrende und Studierende.

2. Den Vorwurf, junge Menschen seien politikverdrossen, kann man angesichts dieser Bewegung getrost zurückweise. Diese Bewegung ist das politischste, was in diesem Land seit langem vorgekommen ist. Es geht um die Art, wie Politik gemacht wird - transparent, schnell in der Kommunikation und mit nachvollziehbaren Entscheidungsprozessen. Menschen können genau zu jenen Themen partizipieren, die sie interessieren und wo sie sich kompetent fühlen. Im Prinzip bedeutet dies eine optimale Ausnutzung der Ressourcen bei gleichzeitig größtmöglicher Partizipation. Eine Vorzeigesituation, wie mit dem vielzitierten Social Capital umgegangen werden sollte.



Ein Absatz noch zu der Gegenbewegung, die gestern zum Plenum mobilisiert hat mit dem Ziel, den Sinn der Besetzung zu diskutieren und die Besetzung evtl per Mehrheitsbeschluss aufzulösen. Es hat sich im Gespräch mit einigen dieser Studierenden später ergeben, dass wir in den zentralen Forderungen praktisch nicht auseianderliegen. Missstände betreffen nun mal jeden und jede. Der Stein des Anstoßes ist die Art des Protestes. Und hier möchte ich an alle SkeptikerInnen appellieren, sich auf die Besetzung einlassen, so wie ich selbst mich am Anfang darauf eingelassen habe. Wenn diese Bewegung auf eine noch breitere Basis gestellt wird, dann kann hier wirklich etwas ganz großes entstehen...

Ich bin sehr stolz auf uns Besetzerinnen und Besetzer im SowiMax. Und obwohl der kollektive Gedanken ganz oben steht - ein bisschen bin ich auch stolz auf mich selber: Gestern abend habe ich gemeinsam mit dem Jakob dieses siebenstündige kontroversielle Plenum moderiert, wo zeitweise weit über 750 Menschen anwesend und die Stimmung buchstäblich geladen war.

Für MasochistInnen gibt es den Beginn des Plenums zum Nachschauen, inklusive händischer Zählung von 750 Abstimmenden und Megaphoneinsatz durch Stromausfall:



Bleibt nur mehr eines zu schreiben: Venceremos!

1 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

richtig so