Ein bissl Weltstadt wären wir doch alle gern. Nur scheinen wir in dieser Stadt sehr unterschiedliche Vorstellungen davon zu haben, was eine "Weltstadt" ausmacht.
Ich zum Beispiel finde, dass sich eine Weltstadt durch eine breite Vielfalt an kulturellem Angebot auszeichnet, durch Entfaltungsmöglichkeiten für KünstlerInnen und Kulturtreibende, durch Kultur für alle, durch kulturelle Interventionen im öffentlichen Raum. Die Verantwortlichen in Stadt und Land finden offenbar, dass eine Weltstadt ein geschichtsverklärendes Museum um 30 Millionen Euro auf einen Berg bauen soll, wo dann drei Touristengruppen am Tag durchgeschleust werden können. Und deswegen muss natürlich bei den Subventionen für andere Kultureinrichtungen gespart werden, wo es nur geht.
So weit, so schlecht. Aber mittlerweile hat dieser Missstand einen Level erreicht, wo bei mir die Wut im Bauch zu kochen beginnt. Das Treibhaus versucht mit originellen Maurer- und Abrisstätigkeiten auf die prekäre Situation hinzuweisen, die Resonanz bleibt jedoch gleich null. Das Bierstindl steht quasi vor dem finanziellen Aus. Etablierte Einrichtungen wie die p.m.k, das Z6, das Literaturhaus und viele andere müssen jedes Jahr kämpfen und zittern, ob sie ihre Arbeit weiterführen können. Und um Kunst im öffentlichen Raum steht es überhaupt ganz grauenhaft. Das Projekt Operation Jason 1 zum Beispiel musste sich ein halbes Jahr einen Platz im öffentlichen Raum erstreiten, obwohl das Projekt sowohl von der Kulturintiative des Landes als auch von den Innsbrucker stadt:potenzialen gefördert worden war.
Innsbruck hat das Potential, aufgrund seiner Bevölkerungsstruktur im kulturellen Bereich tatsächlich auf einem Niveau zu stehen, das weit über dem einer durchschnittlichen Kleinstadt liegt. Aber dazu braucht es endlich ein klares Bekenntnis zu einem Kulturangebot, das über Landestheater und Tanzsommer hinausgeht. Es braucht Räume, in denen sich KünstlerInnen entfalten können, in denen junge Bands proben und auftreten können, in denen Workshops, Lesungen, Diskussionsveranstaltungen und vieles mehr stattfinden können. Was ist zum Beispiel mit dem Areal des alten Riesenrundgemäldes und der ehemaligen Hungerburgbahn-Talstation? Das wäre zumindest ein kleines Gegengeschäft für das Bergisel-Museum...
Außerdem braucht es ein Bekenntnis zur Urbanität in dieser Stadt. Solange jegliche Art von kultureller Intervention im öffentlichen Raum lediglich als Lärm- und Störungsquelle empfunden wird, wird sich diese Stadt nicht von einem reinen Konsumort zu einer (er)lebbaren Stadt entwickeln können.
Ideen gäbe es viele - man muss zur Inspiration nur einen Blick in echte Weltstädte wagen. Auch die Energien der Kulturtreibenden scheinen bewundernswerterweise noch vorhanden zu sein. Es liegt nun auch an uns KulturkonsumentInnen, sie zu unterstützen und gemeinsam für eine offene Stadt zu kämpfen. Sonst laufen wir Gefahr, dass die ganze Stadt zum Museum erstarrt. Dann ist es vorbei mit der Tiroler Wehrhaftigkeit...
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